Warum Ich Nicht Gegen Massentierhaltung Demonstriere

Am Sonnabend findet zum fünften Mal die jährliche „Wir haben es satt!“ Demo in Berlin statt. Die Veranstalter fordern eine „Agrarwende“ und das Ende der Massentierhaltung. Zu den Trägern der Demo gehören auch Tierschutzorganisationen und wie in vergangenen Jahren werden sicher auch vegane AktivistInnen mit demonstrieren. Ich werde nicht dabei sein, gerade weil ich Veganerin bin.

Warum ich nicht zur „Wir haben es satt!“ Demo gehe

Forderungen

Der Protest richtet sich offiziell u.a. gegen Massentierhaltung, Billigfleisch und Antibiotika in der Tierhaltung. Es geht nicht darum dass wir Tiere zu Lebensmitteln verarbeiten, sondern um unsere derzeitigen Methoden. Nicht darum, dass wir tote Körper kaufen, sondern zu welch niedrigen Preisen wir das tun können. Diese Forderungen stützen das Paradigma, nach dem wir über Tiere herrschen und nach dem es unser Recht ist, sie einzusperren und dann über ihre Haftbedingungen zu debattieren. Sie gehen davon aus, dass das Problem an billigem Fleisch der niedrige Preis ist, nicht dass wir überhaupt Leben nehmen um sie mit Preisschildern zu ersetzen. Sie fordern vor allem Solidarität mit am Existenzminimum lebenden Bauern, nicht mit den Tieren, deren Existenz kommodifiziert wird. Auf der Website von „Wir haben es satt!“ fordert man Respekt für Tiere—aber nicht das Gewähren von mehr Platz, frischer Luft oder Tageslicht erweist Respekt, sondern die Anerkennung, dass jedes Lebewesen das Recht hat, sein Leben fortzusetzen.

Träger

Manche historischen Bewegungen haben davon profitiert, mit ähnlich gesinnten Bewegungen zu kooperieren. Viele TierschutzaktivistInnen sind deshalb dafür, dass auch wir mit Gruppen zusammen arbeiten sollten, die z.B. wenigstens gegen Massentierhaltung sind. Sie meinen, wir sollten uns auf gemeinsame Interessen konzentrieren, nicht auf unsere Unterschiede. Aber für mich können Gruppen, die „artgerechte“ Tierhaltung fordern, nie mir ähnlich sein. Wer sich nur an Billigfleisch und unhaltbar niedrigen Milchpreisen stört, mit dem habe ich keine Schnittmenge. Solche Gruppen kämpfen für das Recht von Tieren, besser behandelt zu werden; ich kämpfe gegen das Recht von Menschen, Tiere überhaupt irgendwie zu behandeln. Mir geht es um Leben, nicht den Lebensunterhalt von Bauern. Zu den Trägern von „Wir haben es satt!“ gehören Tierschutzorganisationen wie der Deutsche Tierschutzbund oder die Albert Schweitzer Stiftung, aber eben auch Bauernlobbies und Biofleisch-Giganten wie Neuland. Ich werde meinen Standpunkt nicht verwässern, damit ich mich mit jenen verbünden kann, die am Tod anderer Lebewesen verdienen, egal wie „artgerecht“ ihre Höfe aussehen.

Das letzte Mal war ich vor drei Jahren bei der „Wir haben es satt!“ Demo. Es war bizarr und ich schämte mich, an der Seite der Agrarindustrie zu protestieren. Die Demo endete mit einer Rede von irgendeinem Repräsentanten einer Agrar-Lobby, der auf „artgerechte“ Tierhaltung drängte und mehr Subventionen für Bio-Bauern verlangte. Die „glückliche Kühe“-Fraktion neben mir klatschte. Ein paar Meter hinter mir stand eine Frau mit einem Schild für Veganismus, und ich dachte „Was machen wir hier eigentlich?“ Dieses Jahr werde ich das nicht denken. Dieses Jahr bleibe ich zuhause.