Blogs sind der falsche Ort für vegane Überzeugungsarbeit

Die meisten veganen Blogs zeigen, wie man veganes Essen zubereitet. Ein paar weitere beschreiben, wie wir Tiere ausbeuten und rufen ihre Leser dann dazu auf, vegan zu werden. Ich werde irgendwann auch noch darüber schreiben, warum das hier kein Blog über Essen ist; aber erstmal möchte ich erklären, warum es hier nie heißen wird „Go Vegan!“

Kurz gesagt, ich glaube nicht, dass Blogs geeignet sind, Leser davon zu überzeugen, dass wir Tiere ausbeuten und sie vegan werden sollten. Die meisten Leser veganer Blogs sind sowieso schon vegan und jene Menschen, die wir am dringlichsten vom Veganismus überzeugen wollen, lesen keine veganen Blogs. Online kann man noch stärker entscheiden, welchen Informationen man sich aussetzen will, als auf anderen Plattformen. Aktivisten können andere natürlich nie zum Zuhören zwingen, aber es ist wesentlich leichter einfach keine veganen Blogs zu lesen als ein Plakat zu übersehen oder sich einem Gespräch zu entziehen.

Ich nutze diesen Blog also nicht um Leser davon zu überzeugen, dass Speziesismus ein Problem ist, weil ich denke, dass ihr das schon wisst. Stattdessen unterstelle ich Speziesismus als offensichtlich und Veganismus als normativ. Für mich ist es überdeutlich, dass Speziesismus unsere Koexistenz mit anderen Lebewesen auf diesem Planeten bestimmt und dass die „Nutzung“ von anderen Lebewesen immer Ausbeutung ist, egal wie gut man sie behandelt. Wenn man das erkannt hat, werden Argumente für Veganismus überflüssig.

Diese Überflüssigkeit ist mein Ausgangspunkt beim Schreiben. Sie erlaubt es mir, nicht ständig darzulegen, wie wir Tiere missbrauchen oder wiederzukäuen, warum man nun vegan sein sollte. Stattdessen kann ich die Nuancen des Anti-Speziesismus und die moralischen und sozialen Herausforderungen am Vegansein erkunden. Ich kann Varianten meiner Argumente „üben,“ indem ich sie auf verschiedenste Situationen anwende, ohne jedoch ausholen und meine Prämisse begründen zu müssen—dass Speziesismus existiert und nicht zu rechtfertigen ist und Veganismus die einzige Lösung ist.

Neulich hat Carol J. Adams etwas über The Sexual Politics of Meat („Zum Verzehr bestimmt: Eine feministisch-vegetarische Theorie“) gesagt, dass mich sehr an meine eigene Herangehensweise ans Schreiben über vegane Themen erinnerte:

Außerdem bin ich von Vegetarismus und Veganismus als Norm ausgegangen und dadurch musste ich nicht mehr die ganzen Argumente präsentieren. Ich hab so viele Bücher gelesen und die waren alle ziemlich vorhersehbar: „Hier ist die moralische Begründung, warum du keine Tiere essen sollst, hier ist die gesundheitliche, hier das Umweltargument.“ Die sind alle auf der gleichen Schiene gefahren. Ich wollte diese ganzen Begründungen nehmen, aber sie einfach voraussetzen und sie dann (…) beleuchten, aber ohne wieder auf die Argumente für sie zurückzugreifen.

Vielleicht finden einige, dass man keine Gelegenheit auslassen sollte, Menschen zum Veganismus zu bringen. Aber ich sehe Blogs nicht als solche Möglichkeit und deshalb habe ich sie auch nicht verschwendet. Es tut gut einen Ort zu haben, an dem ich die Fragen besprechen kann, die mich wirklich beschäftigen. Ich denke nie darüber nach, ob oder warum ich vegan sein sollte, aber wenn ich mit Nicht-Veganern über Veganismus rede, ist das der einzige Blickwinkel auf das Thema. Dieser Blog sollte nicht der Ort sein, an dem ich leichte Fragen diskutiere—obwohl direkte vegane Überzeugungsarbeit anderswo im Alltag natürlich ihren Platz hat. Hier bespreche ich lieber Dinge, die mir wirklich im Kopf sind: Fragen, die ich selbst noch nicht beantworten kann; Gelegenheiten, zu denen ich hinter meinen eigenen Erwartungen an mich selbst zurückbleibe; Streitfragen, zu denen ich meine Meinung über die Jahre hinweg geändert habe; oder Begegnungen mit Nicht-Veganern und Veganern, die mich irgendwie beschäftigen.

As Veganer sind wir oft dazu gezwungen, zu erklären, inwiefern die Welt speziesistisch ist. Da ich mein ganzes Leben nach dieser Grundprämisse ausrichte, mag es überraschen, dass ich selbst so gut wie nie darüber nachdenke. Die Sache ist: Für mich hat das aufgehört, eine Frage zu sein. Mit Nicht-Veganern sollten wir weiterhin auch über Themen reden, die für uns keine Fragen mehr sind; unter anderen Veganern sollten wir uns aber auf die Dinge konzentrieren, die noch nicht zum Grundsatz geworden sind.