Vegan auf einer Hochzeit: Wie man's macht, macht man's falsch

Flower Basket Reverse Appliqué Quilt, ca. 1830-50. The Shelborne Museum, Shelborne, Vermont.

Flower Basket Reverse Appliqué Quilt, ca. 1830-50. The Shelborne Museum, Shelborne, Vermont.

Ich war gestern auf einer Hochzeit. Zwar war diese Hochzeit zu groß als dass mich irgendjemand zu meinem mangelnden Verzehr befragt hätte, aber von vergangenen Erlebnissen weiß ich, dass solche Fragen entweder in allgemeine Aggression auf Veganismus umschlagen oder in Vorwürfe, ich sei undankbar oder stelle meine „Ideologie“ demonstrativ zur Schau oder sei ganz allgemein eine Plage von Gast.

Vegane Gäste haben eigentlich drei Optionen. Aber egal, welche Strategie sie wählen, sie machen sich unbeliebt.

Option 1: Man könnte das nicht-vegane Essen essen. So manch einer hat mir schon geraten, den Dogmatismus doch einfach mal sein zu lassen, mich zusammenzureißen und mich mit dem vegetarischen Essen zu begnügen. Das mach ich nicht. Warum auch? Nicht-Veganern mag der Unterschied zwischen vegetarischem und veganem Essen unerheblich vorkommen, aber für mich liegen Welten dazwischen. Wenn ich das vegetarische Essen verweigere, kritisieren die Leute meine „Unflexibilität.“ Ich vermute, wenn ich das vegetarische Essen anrühren würde, würden sie sich über den Ausrutscher freuen und mich eine Scheinveganerin nennen. Oder vielleicht würden sie sagen: „Na siehst du, ist doch gar nicht so schwer!“

Option 2: Man könnte sein eigenes Essen mitbringen. Meine Mutter hat gestern sogar veganen Kuchen und Salate mit zur Hochzeit gebracht, für den Fall, dass ich nichts gefunden hätte. Am Ende brauchte ich beides nicht, aber ich bezweifle, dass mein „Selbst ist die Frau“-Vorgehen gut angekommen wäre. Hätte mich jemand dabei beobachtet, wie ich meinen eigenen Kuchen oder meine Tupperware mit Salat hervorhole, hätten sie mich bestimmt für demonstrativ gehalten. Das ist es ja: allein den Anblick einer Veganerin, die veganes Essen isst, finden viele Leute demonstrativ.

Option 3: Man könnte die Hochzeit mit niedrigen kulinarischen Erwartungen, aber mit der Hoffnung besuchen, irgendwas gegen den Hunger zu finden. Das war gestern meine Strategie. Direkt vor der Hochzeit habe ich mich satt gegessen. Dann habe ich das Kuchenbuffet geschwänzt, weil es dort gar nichts Veganes gab. Und am Abendbrotbuffet habe ich ein paar Speisen identifiziert, die fast sicher vegan waren, darunter Brot, gegrilltes Gemüse und Obst. Auf der Hochzeit gestern waren zu viele Fremde, als dass jemandem aufgefallen wäre, wie ich leicht angeekelt die Schüsseln und Platten auf dem Buffet beäugte bevor ich die meisten links liegen ließ. Aber wenn mich jemand bemerkt hätte, dann weiß ich aus Erfahrung, dass ich als undankbar gegolten hätte oder als typische Spielverderber-Veganerin, die ihre Ideologie nicht mal bei einer Hochzeit zuhause lassen kann.

Als veganer Gast kann man eigentlich nur verlieren. Wie man‘s macht, macht man‘s falsch. Und das ist eigentlich auch nicht weiter überraschend. Wenn die Menschen schon im Alltag aggressiv auf Veganer reagieren, warum sollte das auf einer Feier anders sein, wo man als Veganerin dank der kaum vorhandenen Auswahl am Buffet noch mehr auffällt?

Was sind eure Überlebensstrategien auf nicht-veganen Veranstaltungen und Feiern?