Wer schaut überhaupt zu, wenn Tierleid im Fernsehen enthüllt wird?

Jeder weiß, dass sogenannte Nutztiere getötet werden und als Veganerin weiß man auch, wie brutal das ist. Aber hinschauen ist noch mal etwas Anderes als wissen.

Gestern hat die ARD einen kurzen Dokumentarfilm über „Ferkelfabriken“ gezeigt: "Gequält, totgeschlagen und weggeworfen." Die Hälfte der Sendung verbrachte ich mit dem Gesicht vom Bildschirm abgewandt und den Fingern auf den Ohren.

Vorweg: Für genau solche Recherchen sollten Rundfunkgebühren sein. Also danke, ARD, dass ihr für eine halbe Stunde informiert und entlarvt habt, statt nur zu unterhalten. So sollte es sein.

Aber: Wie effektiv verhindern grafische Enthüllungs-Dokus das Leid, das sie aufdecken? Ich fürchte nicht sehr.

Denn erstens, wer schaut überhaupt zu? Ich wage zu behaupten, dass es vor allem jene Zuschauer sind, die Tiernutzung sowieso schon ablehnen. Es bin nicht ich, die schon beim ersten Quieken heult, oder die vielen anderen angewiderten (aber nicht überraschten) veganen Zuschauer, die sich den Film eigentlich anschauen sollten. Die 80 Millionen Deutschen, denen die Wurst noch schmeckt, haben bestimmt nicht eingeschaltet. Sie würden eine Sendung mit dem Namen „Gequält, totgeschlagen und weggeworfen“ sicherlich nicht zum Abspannen am Montagabend wählen. Und falls sie doch zufällig auf die Ferkelhölle gestoßen sind, haben sie bestimmt schnell weitergezappt, zu irgendeinem unbekümmerten Programm.

In Deutschland essen Kinder "happy"-Wurst.

In Deutschland essen Kinder "happy"-Wurst.

Und zweitens, sagen wir ein paar tapfere Fleischesser haben es doch durch die Doku geschafft, wie hat sie sie verändert? Wie die meisten solcher Filme, die ich bisher gesehen habe, hinterfragt die Doku nicht, dass wir Tiere nutzen, sondern lediglich wie wir sie behandeln. Und die Aufnahmen stammen aus der Massentierhaltung, sodass sich der Zuschauer hinterher statt zu einem wirklichen Wandel immer noch zu einem Kompromiss entschließen kann: „Ab jetzt keine Massentierhaltung,“ um dann beim nächsten Bioladen die „glücklichen“ Schweine zu wählen. Für abolitionistische Veganer, die nicht eine bestimmte, sondern jegliche Tiernutzung ablehnen, ist das der Wurf eines halben Cents in den Becher eines Bettlers. Und selbst Fans „artgerechter“ Haltung dürften inzwischen mitbekommen haben, dass sich auf Biobauernhöfen kein Schwein sauwohl fühlt. Wer kann, schaue sich die Aufnahmen von Animal Rights Watch an.

Ich bin trotzdem froh, dass ARD die Doku gezeigt hat. Tierleid sollte auch in den Mainstreammedien ein Thema sind, nicht nur in meinem eigenen vegan-verzerrten Twitter-Feed. Aber wie kann man die „richtigen“ (also die falschliegenden) Leute dazu bewegen, sich so etwas anzuschauen? Die, die es wissen sollen? Und wie bringt man sie dazu Schlüsse zu ziehen, die dem, was sie gerade erfahren haben, gerecht werden und nicht lauwarm sind wie „Der Biofleischer wird mich schon von meinen Sünden erlösen“?