Mein Geld für nicht-vegane Einrichtungen?

Sollte ich als Veganerin Einrichtungen unterstützen, die nicht 100% vegan sind?

Ich rede nicht von Jagdvereinen oder der Milchlobby. Die Antwort wäre ein klares Nein. Ich rede von solchen Einrichtungen, die einige meiner Ansichten teilen, aber nicht vegan sind. Zwei Beispiele.

Ich bin Mitglied im Tierschutzverein Berlin, dem Berliner Zweig des Tierschutzbundes. Der Verein betreibt eines von Europas größten Tierheimen und als ich eine Katze von dort bei mir aufnahm, habe ich mich auch gleich für eine Mitgliedschaft entschieden.

Das Berliner Tierheim ist ein schönes Tierheim, soweit man das überhaupt sagen kann. Die Katzen dort leben in geräumigen Zimmern mit Zugang zu Außengehegen. Katzen, die Gesellschaft vertragen, leben mit zwei oder drei anderen Katzen zusammen. Katzen, die lieber allein sind, leben allein. Das Tierheim ist auf jeden Fall weniger deprimierend als die aufgestapelten Metallkäfige, die ich aus amerikanischen Tierheimen kenne. Ganz zu schweigen davon, dass das Berliner Tierheim―wie alle deutschen Tierheime und im Gegensatz zu amerikanischen Tierheimen―keine „überzähligen“ Tiere tötet. Das Berliner Tierheim erhält keine Steuergelder und finanziert sich allein durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, weshalb ich Mitglied wurde.

Wo also ist der Haken? Weder das Tierheim noch der Tierschutzbund sind vegan. Sie kümmern sich um die Heimtiere in ihrer Obhut, aber nicht um all jene Tiere, die es nie in ihre Obhut schafften. Zum Beispiel gibt das Tierheim dem Schwein Rudi ein Zuhause, verkauft in seinem kleinen Restaurant aber Wurst. Und der Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, ist gleichzeitig Vorstandsmitglied beim Biofleischgiganten Neuland. Wenn das kein Interessenkonflikt ist.

Es ist mir unangenehm, nicht-veganen Einrichtungen Geld zu geben. Andererseits möchte ich Tieren, die ohne das Heim auf der Straße wären, helfen. Was tun?

Bildnachweis: Salzburgmuseum

Bildnachweis: Salzburgmuseum

Ein weiteres Beispiel ist die LPG, die genossenschaftlich betriebene Biomarktkette, bei der man Mitglied werden kann, indem man einen Pfand und eine kleine monatliche Beitragsgebühr zahlt. Als Mitglied kann man dann alle LPG-Produkte billiger einkaufen, zum Beispiel vegane Kosmetik, vegane Backwaren, Obst und Gemüse und andere vegane Lebensmittel. Pfand und Mitgliedsbeitrag unterstützen Biobauern und -hersteller, die sich von staatlichen Subventionen allein nicht halten könnten. Die Kehrseite? Mein Geld unterstützt auch Fleisch- und Milchproduzenten, deren Produkte ich unmoralisch finde und niemals kaufen würde. Deshalb habe ich lange gezögert, LPG-Mitglied zu werden.

Auf der andere Seiten würde ich auch dann nicht-vegane Betriebe und Industrien unterstützen, wenn ich meine Lebensmittel weiterhin im normalen Supermarkt einkaufen würde. Es mag nicht so direkt erscheinen, weil es weder Pfand und Gebühren noch Mitgliedschaften gibt, aber jedes Mal wenn ich meine Geldkarte zücke oder meine Münzen auszähle, unterstütze ich damit irgendein Unternehmen.

Als Veganerin in einer nicht-veganen Welt ist es schwer, nur solche Geschäfte zu unterstützen, die ich moralisch finde. Die besten Optionen sind gar nichts zu kaufen oder nur kleine vegane Unternehmen zu frequentieren, aber wenn es um Notwendigkeiten wie Lebensmittel geht, ist beides im Prinzip unmöglich. Was soll ich als Veganerin also tun? Tierheime fördern und akzeptieren, dass ich damit auch ihre Wurst-Gaststätten unterhalte? LPG-Mitglied sein und damit Zugang zu vielen lokalen, veganen Biolebensmitteln erhalten, aber wissen, dass ich gleichzeitig auch Fleischern und Käsemachern das Handwerk finanziere?

Vielleicht werde ich irgendwann nicht mehr wählen müssen. Bis dahin werde ich unzufrieden sein, egal wie ich mich entscheide.