Ferkel, die an einem Schinken säugen

Kennt ihr auch die zahlreichen Anzeigen, in denen Tiere für ihre eigenen Produkte werben? Ich hab über die Jahre wohl Dutzende Schweine gesehen, die als dicker Küchenchef verkleidet Konsumenten dazu drängen, Würstchen zu kaufen. Solche Werbung ist seltsam und geschmacklos. Aber sie ist nicht der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Der Titel geht an Werbung, in der Tiere sich selbst essen.

So wie in diesen zwei Beispielen:

In dieser McDonald’s-Werbung findet ein Huhn einen Chicken Burger aus seinem eigenen Fleisch offenbar so verlockend, dass es ihn glatt hinunterschlingt und in seiner Gier nur ein paar Brotkrumen hinterlässt. Dein Essen ist so lecker, es kann sich selbst nicht widerstehen.

In dieser Schinkenwerbung drängen sich fünf Ferkel um eine pralle Schinkenwurst als sei sie ihre Mutter und saugen dort wo ihre Zitzen wären. Was ist die Botschaft dieser verstörenden, sehr traurigen Werbung? Was gut genug ist für durstige Ferkel ist gut genug für dich? Unser Schinken ist so naturbelassen, Ferkel würden ihn mit ihrer Mutter verwechseln?

Die meisten Menschen sind gegenüber Tieren mitleidlos, aber ich dachte immer, dass sie diese Mitleidlosigkeit nur durch bestimmte Strategien aufrecht erhalten können, z.B. indem sie „Beef“ oder „Rind“ statt Kuh sagen oder Fleisch bis zur Unkenntlichkeit verarbeiten. Über die Ferkel nachzudenken, die ihr Schinken verwaist hat oder das Gespenst des Chicken Burgers würde ihre behagliche Blase platzen lassen. Wie also sind die beiden Werbeplakate zu erklären? Sie könnten kaum unverblümter sein. Als ich sie zuerst sah, war ich mir sicher, dass verwaiste Ferkel, die aus lauter Verzweiflung über den Verlust der Mutter an einem Schinken nuckeln, die meisten Menschen traurig machen würden. Und der Anblick von Lebewesen, die sich selbst essen, ist grundsätzlich abstoßend, nicht appetiterregend.

Wenn solche Werbung wörtlich genommen würde, würde sie selbst den hartgesottensten Fleischesser verstören. Deshalb muss sie der Gipfel der Verfremdung, nicht ihr Gegenteil, sein. Assoziationen zu kannibalischen Menschen oder Babies, die in kindlicher Abhängigkeit an dem toten, verarbeiteten Fleisch der Mutter saugen, sind so widerlich, dass nur die absolute Negierung dieser Bilder als Darstellung von Lebewesen solche Assoziationen unterbinden könnte.

Um weiter nach Schinken zu lechzen, muss man einem Ferkel dabei zusehen können, wie es an der zerfleischten Mutter säugt, ohne, dass die eigenen Gedanken sich überschlagen. Um weiter Chicken Burger zu bestellen, muss man ein Huhn anschauen können, dass der Versuchung des eigenen Fleisches erlegen ist, und nicht von der evolutionär tiefsitzenden Abscheu gegen Kannibalismus würgen.

Das ist der Gipfel der Verfremdung von tierischen Körpern und Leben, nicht ihre Umkehrung.