Ein Anderes Leben

Als Gegner des Speziesismus wollen wir körperliche Freiheit für alle Tiere. Aber für einige Tiere gibt es körperliche Freiheit nur in Verbindung mit Leiden. Wie vereinbaren wir ihr Recht nicht zu leiden mit ihrem Recht auf ihren eigenen Körper?

Im August wurde meine Katze Evi krank. Wir riefen eines Nachts die Notärztin, weil Evi keuchte und sich vor uns versteckte. Die Ärztin untersuchte Evi auf unserem Küchentisch und Evi, die sonst nie Fremde an sich heranließ, war ganz still und protestierte nicht. Als die Ärztin Evis Brusthöhle punktierte und Blut zog, war mir zwar klar, dass das nicht gut war, aber ich dachte, dass ich einfach nur der Behandlung zustimmen musste, die sie vorschlagen würde. Tierärzte schauen einen often so an, als wollten sie einen vorbereiten: Seien Sie gewarnt, das kann jetzt teuer werden. Ich würde dann mein übliches Signal geben, dass ich keine Warnung brauchte und die Kosten egal waren. Hauptsache der Katze ginge es hinterher besser.

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Blinde Flecken

Innerhalb eines Jahres, und ganz unabhängig voneinander, haben zwei meiner ProfessorInnen laut vermutet, dass Anti-Speziesismus bald mainstream sein könnte. Ein Professor für Journalismus meinte, dass progressive Menschen ihren Kreis des Mitgefühls vielleicht immer um ein paar Ringe erweiterten, um mehr und mehr „andere“ darin aufzunehmen: andere Ethnien, andere Geschlechter, andere Sexualitäten und irgendwann andere Spezies. Vielleicht seien ja Tierrechte der nächste logische Schritt in diesem universalistischen Verlauf. Vor ein paar Wochen dann sagte eine Soziologieprofessorin etwas Ähnliches: Nachdem das Seminar sich das ganze Semester lang über die rassistischen und sexistischen Texte ansonsten intelligenter, bedachtsamer, und zukunftsweisender Wissenschaftler empört hatte—die erst drei-, zwei- oder sogar nur einhundert Jahre alt waren—vermutete sie, dass wir sicher ähnliche „blinde Flecken“ hatten. Wahrscheinlich würden unsere eigenen Nachkommen sich auch für das ein oder andere schämen, das wir heute guten Gewissens denken, sagen, oder sogar aufschreiben. Zwangsläufig sind historische blinde Flecken schwer vorauszusagen, aber, fügte die Professorin hinzu, wenn sie einen prognostizieren müsste, würde sie unsere Beziehung zu nicht-menschlichen Tieren wählen. In 50 Jahren würden wir wahrscheinlich einsehen müssen, dass wir im Unrecht waren, sie so zu behandeln, wie wir es heute tun.

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Sollten wir Gewalt anwenden?

Vor einigen Monaten hatte ich einen interessanten Emailaustausch mit einem Leser.

Er fragte mich wie Veganer einerseits das Töten von Tieren als ‚Mord‘ bezeichnen und andererseits Gewalt als Gegenmittel größtenteils ablehnen können. Er schrieb: „Ich finde es schwierig zu erkennen, warum man Gewalt nicht einmal für in bestimmten Fällen vertretbar hält, wenn man Tieren Personenstatus zubilligt. Wenn ich einen Menschenmörder nur stoppen kann, wenn ich ihn töten muss, würde ich dies tun wollen. Warum verfängt dieses Argument bei Tieren nicht?“

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Die Neue Lust am Anti-Veganismus

In Deutschland wird selbst in den Mainstream-Medien immer mehr über Veganismus diskutiert. Das ist gut, denn es heißt, dass vegan lebende Menschen zahlreicher und lauter sind und ihre Argumente zu gut, um einfach ignoriert zu werden. Ich habe Freude an guten Debatten—sie bringen die Bewegung vorwärts und schulen die eigene Überzeugungskraft. In den letzten Wochen sind jedoch einige Artikel gegen Veganismus erschienen, deren Argumente so primitiv sind, dass darauf zu antworten eigentlich keinen Spaß macht. Eckhard Fuhrs heute in der Welt erschienener Artikel „Eine vegane Welt wäre ein kultureller Kahlschlag“ ist einer von ihnen.

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Jedes Leben zählt - aber jetzt ist nicht der richtige Moment das zu sagen

zusammen und ruft „Black lives matter! Black lives matter!“ Ein weißer Pendler mittleren Alters murmelt im Vorbeigehen: „All lives matter.“ Die Demonstranten, die ihn gehört haben, sind sichtlich genervt und eine Demonstrantin hält die Gruppe an: „Ignoriert ihn einfach!“

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Den Mut nicht verlieren

Paradoxerweise beschäftigen sich viele Aktivistinnen den ganzen Tag mit genau dem Leid, das sie so verabscheuen. Mein Twitterfeed is voll mit Bildern von misshandelten Tieren. Ich bekomme Artikel über Schlachthöfe zugeschickt. Wenn ich am südlichen Ende des Central Park entlang spaziere, fällt es mir schwer, die Dutzenden Pferde zu passieren, ohne an der Spezies zu verzweifeln, die sie vor Wägen spannt.

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Vegane Haustiere

Können VeganerInnen Haustiere haben? Drückt das „Halten“ von Tieren nicht die gleiche speziesistische Dominanz aus, die wir eigentlich ablehnen? Für mich sind Haustiere und Veganismus in der Tat größtenteils unvereinbar. Ein Tier zu züchten, zu kaufen oder anhand seiner Niedlichkeit auszuwählen ist definitiv nicht vegan. Und trotzdem lebe ich mit zwei Katzen, weil ich glaube, dass die „Haustiere,“ die nun einmal am Leben sind, ein schönes Zuhause verdient haben. Ich finde es veganer, ein Tier zu adoptieren als die übervollen Tierheime zu ignorieren, weil „VeganerInnen keine Haustiere haben sollten.“

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Warum Ich Nicht Gegen Massentierhaltung Demonstriere

Am Sonnabend findet zum fünften Mal die jährliche „Wir haben es satt!“ Demo in Berlin statt. Die Veranstalter fordern eine „Agrarwende“ und das Ende der Massentierhaltung. Zu den Trägern der Demo gehören auch Tierschutzorganisationen und wie in vergangenen Jahren werden sicher auch vegane AktivistInnen mit demonstrieren. Ich werde nicht dabei sein, gerade weil ich Veganerin bin.

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Warum Ausnahmen Zählen

Selbst Menschen, die für meine vegane Lebensweise eigentlich Verständnis haben, finden meistens, ich könnte ab und zu eine Ausnahme machen. Welchen Unterschied würde es schon machen, fragen sie, wenn ich ein paar Mal im Jahr etwas Milch konsumierte, z.B. wenn eine Reise oder ein Familientreffen es lästig oder unangenehm machen, meiner veganen Sache treu zu bleiben? Praktisch gesehen mögen sie Recht haben. Ein paar Löffel der sahnigen Suppe meiner Tante würden sicher nicht direkt zur Ausbeutung von Tieren beitragen. Schließlich wurde die Crème Fraîche längst produziert und gekauft und verbraucht. Die Suppe wird so oder so aufgegessen werden, mit mir oder ohne mich, sagen sie.

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Ferkel, die an einem Schinken säugen

Kennt ihr auch die zahlreichen Anzeigen, in denen Tiere für ihre eigenen Produkte werben? Ich hab über die Jahre wohl Dutzende Schweine gesehen, die als dicker Küchenchef verkleidet Konsumenten dazu drängen, Würstchen zu kaufen. Solche Werbung ist seltsam und geschmacklos. Aber sie ist nicht der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Der Titel geht an Werbung, in der Tiere sich selbst essen.

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Die Mär von der kulinarischen Privatsphäre

Vor zwei Wochen hab ich darüber geschrieben, dass ich immer von mir enttäuscht bin, wen ich nicht laut genug für Veganismus eintrete. Einige Leser meinten, dass sie das nicht verstehen und dass Veganer im Gegenteil gerade nicht moralisierend unterwegs sein sollten: „Jedem das Seine.“ Diesen Einwand höre ich oft, sowohl von Veganern als auch Nicht-Veganern. Und ich bin ganz anderer Meinung.

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Warum das hier kein Food-Blog ist

Essen als Waffe: Von Lebensmittelinflation, Agrarsubventionen und staatlich provozierter Knappheit bis hin zu Regulationen, Etiketten und Genmanipulation, Regierungen setzen Lebensmittel gegen andere Nationen, politische Gegner und ihr eigenes Land ein. Hitler und Stalin nutzten Lebensmittelknappheit, um das eigene Volk in Schach zu halten und die Nomenklatura der Sowjetunion und des Ostblocks lockte und belohnte Anhänger mit Essen.

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Ich hasse es, meinen Veganismus für mich zu behalten — Manchmal mache ich es trotzdem

Als ethisch motivierte Veganerin stehen meine Weltanschauung und Lebensweise so im Widerspruch zu meiner Umwelt, dass ich mich ständig zwischen Konfrontation und Versteck entscheiden muss. Zu offenbaren, dass ich vegan bin, heißt Diskussionen und Anschuldigungen in Kauf nehmen. Es für mich zu behalten, heißt einen grundlegenden Teil meiner Identität zu verbergen.

Wann immer ich das Versteck wähle, bin ich enttäuscht von mir. Ich bin von Natur aus eher zurückhaltend, aber manchmal bin ich obendrein noch müde oder anderswo mit den Gedanken oder einfach nicht in der Stimmung für Diskussionen. Das sind die Zeiten, in denen ich lieber nichts sage als Debatten auszulösen.

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Keine Frage des Entweder-Oder

Neulich in den Nachrichten: Jemand ruft die Polizei wegen des nicht angeleinten Pitbulls des Nachbarn. Der Pitbull bleckt die Zähne in Richtung des eintreffenden Polizisten und der erschießt ihn. Die Menschen in der Nachbarschaft, wütend über den Tod des Hundes, verlangen die Entlassung des Polizisten—mit Erfolg.

Eine führende Aktivistin schlussfolgerte aus dieser Geschichte, dass in Amerika das Leben eines Hundes mehr wertgeschätzt werde als das eines schwarzen Mannes. In den Wochen nach Ferguson sah es für sie so aus, dass weiße Gemeinden sich eher über den Tod eines Hundes empörten als über den eines schwarzen Teenagers.

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Blogs sind der falsche Ort für vegane Überzeugungsarbeit

Die meisten veganen Blogs zeigen, wie man veganes Essen zubereitet. Ein paar weitere beschreiben, wie wir Tiere ausbeuten und rufen ihre Leser dann dazu auf, vegan zu werden. Ich werde irgendwann auch noch darüber schreiben, warum das hier kein Blog über Essen ist; aber erstmal möchte ich erklären, warum es hier nie heißen wird „Go Vegan!“

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Veganismus ist keine Schönheitskur

Als Veganerin begegne ich ständig anderen Veganerinnen, die vom Nutzen der veganen Ernährung für Gesundheit und Schönheit schwärmen. Veganismus, sagen sie, hat ihr Hautbild verfeinert, ihnen beim Verlieren der hartnäckigsten fünf Kilo geholfen und ihre bis dahin unerklärlichen Zipperlein geheilt. Ihr Bauch ist jetzt flach, ihr Haar geschmeidig und Freunden ist aufgefallen, dass sie zehn Jahre jünger aussehen. Das Internet wimmelt von entsprechend benannten veganen Websites, von Oh She Glows bis Skinny Bitch, und vegane Kochbücher heißen Vegan for Fit oder Appetite for Reduction. Wenn Stars davon berichten, wie ihre veganen Schnupperwochen ihnen „viel mehr Energie“ (Bill Clinton) oder ihren „Körper zurück“ (Beyoncé) gegeben haben, trägt das noch weiter zum allgemeinen Missverständnis des Veganismus als letzter Schrei in Sachen Wellness bei.

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Du und alle, die dir nahestehen, hatten Unrecht

Viele Gründe hindern ansonsten liebe Menschen daran vegan zu werden, selbst wenn pro-vegane Argumente bei ihnen irgendeinen Nerv treffen. Einer der wirksamsten ist, dass wenn man erstmal zur Kenntnis nimmt, dass sich hinter dem scheinbar Normalen nur Grausamkeit verbirgt, man sich auch eingestehen muss, dass man selbst und alle, die man liebt, furchtbar falsch lagen. Man muss zugeben, dass man selbst geholfen hat, Grausamkeit aufrechtzuerhalten, und man für den Rest seines Lebens mit etwas Reue und Schuld leben wird. Man muss außerdem anerkennen, dass die eigenen Eltern, Partner und Freunde—also alle Menschen, die man liebt und vielleicht sogar für Wesenszüge wie Güte und Intelligenz schätzt—in ein moralisches Verbrechen verwickelt sind, das sich nicht mit dem Bild vereinbaren lässt, das man bis dahin von ihnen hatte.

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Veganer dürfen Pessimisten sein

Ich wünsche mir nichts mehr, als dass alle Menschen auf der Welt vegan sind und Tierausbeutung jeglicher Art aufhört. Aber dieser Wunsch wird nie in Erfüllung gehen. Veganismus wird nie die Norm sein.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich als Veganerin meinen Pessimismus für mich behalten muss. Ich fühle mich unter Druck, all jenen Veganern beizupflichten, die skandieren „Die Zukunft ist vegan“ oder Nicht-Veganer anspornen, sich einer Bewegung anzuschließen, der die Geschichtsbücher letztendlich Recht geben werden. Eine Veganerin hat mich einmal ganz erschüttert angesehen, als ich meinte, dass ich nicht an eine vegane Zukunft glaube. „Warum sagst du sowas?“ ging sie mich an, als ob ich als echte Veganerin auch an die Massentauglichkeit unserer Sache glauben müsste—oder wenigstens so tun sollte.

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Nestle Geht's Ums Tierwohl... Oder: So Absurd Kann Tierschutz Sein

Vor wenigen Tagen hat Lebensmittelgigant Nestle gelobt „das Wohl der Tiere in seiner Lieferkette zu verbessern“ um sicherzustellen, dass sie „gut versorgt sind“ (Nestle’s Worte). Im Prinzip hat Nestle seine Lieferanten aufgefordert, bestimmte grausame Verfahren, etwa die Amputation von Kuhschwänzen, zu unterlassen.

Das ist die Art von Ansage, die mir Leute, die vage wissen, dass ich „Tiere mag,“ triumphierend vorhalten würden: „Siehst du, Tierschutz breitet sich total aus.“ In Wahrheit ist Nestle’s Ankündigung keine Verbesserung für Tiere. Sie ist stattdessen ein Beispiel für die Absurdität des Konzepts Tierschutz und seiner farcenhaften Anwendung auf kapitalistische Ausbeutung. Nestle’s Zug sieht genau zwei Gewinner vor: Nestle selbst, das sein Image und vielleicht Verkaufszahlen verbessern wird, und Konsumenten, die sich angesichts ihres „achtsamen“ Konsumverhaltens auf die Schulter klopfen können. Tiere gehören nicht zu den Gewinnern.

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